Nachruf auf Eberhard Stimmel (1938-2011)


Am 18. April 2011 verstarb Eberhard Stimmel, langjähriger Vorsitzender des Dresdner Vereins für Genealogie und einer der bedeutendsten Familienforscher in Dresden nach dem 2. Weltkrieg.

Geboren wurde er am 4.12.1938 in Chemnitz als Kind des Lehrers Horst Stimmel und seiner Ehefrau Charlotte geb. Kaiser. Die Kindheit erlebte er als sogenanntes Kriegskind, erzogen von der Mutter und der älteren Schwester, weil der Vater im Krieg war. 1945 in Chemnitz ausgebombt, durchstand die Familie eine entbehrungsreiche Nachkriegszeit verarmt mit all ihren Begleiterscheinungen.

1944 bis 1952 Besuch der Grundschule in Chemnitz, 1956 Abitur an der Karl-Marx-Oberschule in Karl-Marx-Stadt.
14 Bewerbungen für einen Studienplatz waren vergeblich, weil der Vater Offizier bei der Wehrmacht gewesen war. Deshalb absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer mit Berufsabschluss 1958, danach war er kurz als Brauergeselle tätig. Von 1958 bis 1963 studierte er an der TU Dresden Lebensmitteltechnologie und Berufspädagogik. Anschließend war er in Dresden ansässig, zunächst als Diplomgewerbelehrer, erst in Löbau, später in Dresden.

Von 1966 bis 2001 war Eberhard Stimmel als Wissenschaftlicher Bibliothekar mit unterschiedlichen Aufgabengebieten an der Sächsischen Landesbibliothek tätig, wofür er von 1969 bis 1971 zusätzlich an der Humboldt-Universität Berlin ein fachbezogenes Fernstudium absolvierte.

Er war zweimal verheiratet und hat aus beiden Ehen 3 Töchter, 5 Enkelkinder und 1 Urenkel. 1998 Umzug nach Dresden-Langebrück.

Eberhard Stimmel war ein Büchermensch – er hat den Hauptteil seines Lebens beruflich und privat seiner Hauptpassion – den Büchern – gewidmet! Er hat sie dienstlich und privat gesammelt, bibliothekarisch erfasst, bibliographisch erschlossen, verliehen, geordnet, inhaltlich und finanziell bewertet, gestapelt, transportiert, sortiert und natürlich auch - gelesen!

Seit Kindheitstagen hat er sich intensiv mit der Familiengeschichtsforschung beschäftigt, allerdings nicht nur mit der Geschichte seiner eigenen Familie, sondern auch der von den verschiedensten Persönlichkeiten, Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen (wie z.B. Fleischerfamilien in Dresden). Er hat neue Zusammenhänge erforscht, auch publiziert, und ist auf diesem Gebiet ein anerkannter Fachmann gewesen.

Eberhard Stimmel war maßgeblich beteiligt an der 1982 erfolgten Gründung der „Interessengemeinschaft Genealogie“ in Dresden innerhalb der Gesellschaft für Heimatgeschichte des Kulturbundes der DDR, deren Vorsitzender er war. Der Weg bis zu dieser Gründung erfolgte gegen starke Widerstände staatlicher Stellen oder Behörden, die zuvor immer wieder das Ansinnen ablehnten trotz Hinweis auf eine derartige Kulturbund-Gruppe in Magdeburg. Erst mit Schützenhilfe der bereits bestehenden Leipziger Gruppe, die einen Brief an den Dresdner Kulturbund geschrieben hatte, wurde der Gründung stattgegeben. Dazu trafen sich 1982 10 Familienforscher, die sich aus dem Ahnenlistenumlauf der Zentralstelle für Genealogie oder durch gleiche Forschungsgebiete kannten und gründeten im damaligen Klubhaus „Rudi Arndt“ in Dresden die Interessengemeinschaft (IG) Genealogie. Ab 1992 war diese IG innerhalb des Dresdner Geschichtsvereins organisiert, wieder unter seiner Führung. Wie andere Arbeitsgruppen des Vereins löste man sich aus diesem Verein und gründete am 15.11.2000 zum 1.1. 2001 den Dresdner Verein für Genealogie (DVG). Auch an dieser Vereinsgründung war Eberhard Stimmel beteiligt und führte diesen bis 2006. Seit diesem Jahr ist er das bisher einzige Ehrenmitglied.

Viele seiner teilweise noch unvollendeten Forschungsarbeiten aus seinem Nachlass befinden sich jetzt im Archiv des DVG; weitere Arbeiten, zum Beispiel zu den Familien Schütz und Agricola sowie zu den Chemnitzer Ratsgeschlechtern , befinden sich im Stadtarchiv Chemnitz. Seine in jahrzehntelanger Sammelarbeit zusammengetragene „Kartei von Personen mit genealogischem Bezug zu Dresden bis einschließlich 1800“ ist als „Stimmel-Kartei“ im Stadtarchiv Dresden zugänglich.


Einige Veröffentlichungen:
  • Eberhard Stimmel: Die Familie Schütz.
    Ein Beitrag zur Familiengeschichte des Georgius Agricola. In: Abhandlungen des Staatlichen Museums für Mineralogie und Geologie zu Dresden, Bd. 11, Dresden 1966.
  • Claus Bartz, Eberhard Stimmel: Der Arnstein - eine verfallene Burgstätte der Sächsischen Schweiz, In: Sächsische Heimatblätter Heft 5/1970, S. 202-207.
  • Reinhard Vollhardt; Eberhard Stimmel: Geschichte der Cantoren und Organisten von den Städten im Königreich Sachsen, Leipzig, Edition Peters, 1978.
  • Stimmel, Folke und Eberhard: Sächsische Heimatblätter, Register für die Jahrgänge 1-25 (1954-1979), Hrsg. Deutscher Kulturbund der DDR, Dresden, 1981. 284 S.
  • Hilde Petzold, Wolfgang Ludwig, Eberhard Stimmel, Die Vorfahren des Philosophen Johann Gottlieb Fichte. In: Bischofswerdaer Land, H. 5, 1987
  • Eberhard Stimmel: Kursächsische Postmeilensäulen - Bibliographie, Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen (Hrsg.), Verlag für Bauwesen, Berlin 1988.
  • Bibliographie zur Geschichte der Stadt Chemnitz / bearb. von Eberhard Stimmel und Hans-Joachim Müller. - Dresden : Sächsische Landesbibliothek, 1991. - XV, 651 S. - (Bibliographie zur sächsischen Geschichte, 3)

auch in Familie und Geschichte:
  • Stimmel, Eberhard: Der Dresdener Bildhauer Zacharias Hegewald und seine Familie. Heft 2 (1992), S. 61-65
  • Ludwig, Wolfgang und Eberhard Stimmel: Der Großröhrsdorfer Zweig der Familie Ziegenbalg bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Heft 1 (1993), S. 160-166.

weiterhin zahlreiche Zeitungsbeiträge zu Gedenktagen bekannter Persönlichkeiten, sowie Mitverfasser des Stadtlexikons Dresden A – Z.


Juni 2011
Ulrich Elsner

Vorsitzender des DVG
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